150 Jahre Gründerzeit

Die „Gründerzeit“ im späten 19. Jahrhundert war für mich lange eine problematische Epoche: Industrialisierung und Ausbeutung, Kaiserreich und Restauration – und in der Baukultur der Historismus als Neuaufguss vergangener Stile. Hundert Jahre nach Beginn der Gründerzeit war ich noch mit ganz anderen Themen beschäftigt.
Jetzt werden die 150-jährigen Jubiläen gefeiert – und bei einigen bin ich aktiv beteiligt:

Seit Juli 2019 bin ich Mitglied eines Kommitees, das – ehrenamtlich – das 150-jährige Jubiläum der Gründung der ersten Druckergewerkschaft vorbereitet und organisiert. Die Grüdung hat schon 1870 stattgefunden, die Jubiläumsfeiern mussten aber aus den bekannten Gründen verschoben werden.
Für die altkatholische Gemeinde Konstanz bin ich schon länger – in der „Grauzone“ zwischen Beruf und Ehrenamt – an dem Kirchenführer über die frühere Jesuitenkirche erscheint voraussichtlich im Sommer). Dazu kam in letzter Zeit die Festschrift für das 150-jährige Jubiläum der Gemeinde, die in der Tradition des liberalen Theologen Ignaz Heinrich von Wessenberg 1872/73 gegründet worden ist.
Und vor ein paar Tagen habe ich gesehen, dass die Meersburger Holzbaufirma Schmäh, die sich auf Arbeiten im Denkmalschutz spezialisiert hat, dieses Jahr ebenfalls 150 Jahre alt wird. Mit ihr hatte ich zum ersten Mal 2016 zu tun, als die Plakate mit ihren schönen „Bauathleten“ mir einen Artikel in meiner Architekturrubrik Seeraum wert waren. Danach kam sie gelegentlich auch bei Denkmalschutz-Themen vor, etwa beim Bau der Synagoge in Konstanz, bei dem auch wieder ein originelles Plakat mit den individuellen Händen der Mitarbeiter zu sehen war.
So bekommt die „Gründerzeit“ für mich mit der Zeit eine ganz andere Bedeutung: In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts hat viel Positives seinen Anfang genommen.

Und nächstes Jahr geht es weiter mit dem nächsten 150-jährigen: Die Schwarzwaldbahn war 1873 durchgehend von Karlsruhe über Villingen nach Konstanz befahrbar, also fast ein Vierteljahrhundert später als Friedrichshafen von Stuttgart aus – die Württemberger waren damit viel schneller als die Badener. Das ist eine nützliche Information für die Geschichte des Bodensee-Tourismus, zu der ich im August eine Exkursion leiten werde.

Die einzige einem Drucker gewidmete Straße am Bodensee
die kleine Kirche neben dem Theater
Die etwas aus dem Rahmen fallende Werbung der Holzbaufirma

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