Vor 30 Jahren: Mein erster „Bodensee“

Mein erster Bodensee-Reiseführer ist vor ziemlich genau 30 Jahren erschienen. Wenn es ein Auto wäre, könnte ich jetzt ein H daraufkleben. (Für die Schweizer: Das H am Ende von deutschen Autokennzeichen ist ein Symbol für „Oldtimer“, die damit bestimmte Steuervorteile bekommen.)  
Es ist schon erstaunlich, wieviel sich bei den Reiseführern in dieser Zeit konzepfionell geändert hat. Schon das Layout war im Vergleich zu heute eine „Bleiwüste“, mit langen Texten ohne Zwischentitel. Für weitere Informationen hatte das Buch gerade mal auf der letzten Seite ein paar Adressen mit Telefonnummern, das Internet gab es ja noch nicht. Die Fotos waren immerhin schon durchgehend in Farbe – damals hatte Polyglott noch die beliebten Strichzeichnungen.   
Der RV Reise- und Verkehrsverlag war in dieser Zeit einer der führenden Reiseführer-Verlage im deutschsprachigen Raum, die entsprechende Sparte des Bertelsmann-Konzerns, mit einer breiten Produktpalette, wurde aber dann wenige Jahre später an MairDumont verkauft. An die früheren Verlagsaktivitäten erinnert nicht mal ein Artikel in Wikipedia. 
Ein paar Anfängerfehler sind mir dabei passiert, die heute nicht mehr vorkommen würden: Das Pfahlbau-Museum Unteruhldingen steht hier noch als „Freilichtmuseum Deutscher Vorzeit“, hatte diesen Namen aber schon (!) 1990 abgelegt – heute hätte ich zur Kontrolle schnell auf die Website geschaut. Und ich wusste damals noch nicht, dass es eine moderne Legende ist, die Hängebrücke über die Argen als Vorbild für die Golden Gate Bridge auszugeben. Was auch der Lektor auf der letzten Seite übersehen hat: Die Museen sind natürlich nicht „generell am Dienstag geschlossen“, sondern am Montag.
Abgesehen von diesen wenigen Fehlern war ich jetzt beim Wiederlesen überrascht, wieviel ich vor 30 Jahren schon über das „Bodenseeland“ gewusst habe, was nicht in fast jedem Reiseführer steht: z.B. das „Echotal“ auf dem Bodanrück, der KZ-Friedhof bei der Birnau, die Wallfahrtskirche Maria Bildstein über dem Rheintal, der Fünfländerblick, die Leonhardskapelle in Landschlacht, die Höhle Kesslerloch etc.

Der Innentitel mit dem vom Verlagssitz aus nächstgelegenen Hafen 
Die ganze südliche Hälfte des Bodenseelands in einem Kapitel
Zwischen solchen textlastigen Seiten gab es aber auch ganze Foto-Doppelseiten.

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