Denk mal – wie Geschichte lebendig wird

Der Erste Weltkrieg ist schon lange Geschichte, seit einer Generation gibt es schon keine Zeitzeugen mehr. Und Kriegerdenkmäler sind ein klassisches „November-Thema“, für das sich heute kaum noch jemand interessiert.
Die Eröffnung einer Ausstellung zu einem speziellen Thema hat gezeigt, dass man auch zu 100 Jahre zurückliegenden historische Ereignissen einen Bezug herstellen kann – und dass das Thema durch Jubiläen neue Aktualität bekommt:
Im Frühjahr 1917 sind an der Front in Nordostfrankreich etwa 150 deutsche Soldaten in einem Stollen erstickt, und der Eingang zu diesem wurde erst 2020 wieder entdeckt – das ist der Aktualitätsbezug. Und der regionale Bezug ist, dass von den dort umgekommenen Soldaten viele aus Konstanz und Stockach waren.
Die meisten Denkmäler für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten stammen aus den 20er Jahren, sie werden also bald hundert Jahre alt. Von diesen sind die meisten im Stil und in der Sprache der jeweiligen Zeit, hier wie dort, aber es gibt auch Ausnahmen.
Für mich wird es damit Zeit, ein schon älteres Thema wieder „auszugraben“: Nachdem ich bei meinen Reisen in Studienzeiten durch Frankreich einige Denkmäler entdeckt und fotografiert habe, die entweder von der Gestaltung oder vom Inhalt her mehr oder weniger aus dem Rahmen fallen, habe ich in den 80er Jahren einige Diavorträge gehalten. Mit der Qualität der Aufnahmen und den dazu erzählten Geschichten – z.B. von den Verhätnissen wie bei Don Camillo und Peppone in der französischen Gemeinde mit dem außergewöhnlichen antimilitaristischen Denkmal – sind die Vorträge damals gut angekommen.
Jetzt heißt es, Dias aussortieren und die besten auswählen und digitalisieren lassen. Die graue (!) Archivschachtel mit den Dokumenten und den Vortagsmanuskripten steht noch oben im Regal.

Die folgenden Bilder zeigen eine kleine Auswahl aus dem breiten Spektrum der eher ungewöhnlichen Denkmäler.

Der nachdenkliche Soldat von Levroux (irgendwo mitten in Frankreich) von der anderen Seite, inspiriert von dem „Penseur“ von Rodin.
Kriegerdenkmal in Lodève (Languedoc) mit dem Motiv der trauernden Frauen – in dem Fall vom Hut bis zu den Schuhen in der Mode, die 1927 in Paris der letzte Schrei war.
Die Giebelwand eines Hauses in dem Dorf Ostheim (nördlich von Colmar), das in den letzten Wochen des 2. Weltkriegs fast völlig zerstört wurde: nur „unseren Toten“ – völlig unpathetisch.
Kriegerdenkmal in Bregenz, bei der Kirche St. Gallus (1931)

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