Über Geschichte schreiben und sprechen

Das zweite Septemberwochenende steht für das Ferienende (zumindest hier in Baden-Württemberg) – in Frankreich ist es die Zeit der „Rentree“, wo nach der Sommerpause das gesellschaftliche und politische Leben wieder beginnt.
An diesem Wochenende ist traditionell auch der Europäische Denkmaltag, der immer das Monatsthema in meiner Architekturrubrik „Seeraum“ ist. Dieses Jahr war ich am Samstag in Arbon und am Sonntag in Konstanz, jeweils bei mehreren Veranstaltungen und Führungen, und an beiden Orten wurde aufgezeigt, wie die Baugeschichte mit der Wirtschaftsgeschichte, der Sozialgeschichte und anderen zusammenhängt. Erst durch solche Verbindungen wird Geschichte ja spannend, wird sie interessanter, als sie früher in vielen Schulstunden war.  
Für mich ist es auch mal ein Anlass, die Bedeutung der Geschichte in aktuellen Arbeiten aufzuzeigen:
Der Kirchenführer (siehe vorhergehender Artikel) geht von meinen bisherigen Büchern wohl am weitesten in die Geschichte zurück, über mehr als vier Jahrhunderte, eine Zeitreise durch Kunstgeschichte, Kirchengeschichte und Stadtgeschichte.
Bei der Exkursion zu Orten der Tourismusgeschichte Anfang August ging es nur durch zwei Jahrhunderte, mit dem christlichen Pilgerwesen (auch schon eine Art Tourismus) wäre die Geschichte aber länger. Gerade bei diesem Thema ging es darum, die einzelnen Themen so zu lokalisieren, dass sie besonders anschaulich werden: die Verkehrsgeschichte in Friedrichshafen, wo die größte Zahl an Verkehrsmitteln eine Rolle spielt, von der frühen Eisenbahn und dem Trajektverkehr über die Zeppeline (traditionell und NT) bis zum Katamaran nach Konstanz, die Bädergeschichte in Lindau, wo es Strandbäder aus dem ganzen 20. Jahrhundert zu sehen gibt, die Geschichte des Kulturtourismus in Bregenz, mit dem Festspiel-Tourismus seit den 50er Jahren und dem Architektur-Tourismus seit den 90ern.
Meinem letzten Schweiz-Buch über die „wichtigsten Berge“ des Landes („Das kleine Buch der großen Berge“) wird bald ein zweites folgen, das aber noch in der Planungsphase ist. Deshalb zu den Bergen, von denen jeder auch seine Geschichte hat: Wann wurde er zuerst benannt, zum ersten Mal bestiegen, touristisch erschlossen – und wann wurde er zum Symbol einer Stadt (als Hausberg) oder einer Landschaft?
Bei Brücken lässt sich der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Geschichtssträngen besonders schön aufzeigen: Verkehrs- und Wirtschaftsgeschichte, Technik- und Baugeschichte – das wäre aber ein Thema für sich … (kommt demnächst)

Touristen-Begrüßung in Lindau im Stil der Nachkriegszeit


Hauptbahnhof Friedrichshafen – der Verkehrsknotenpunkt am nördlichen Bodensee, für Bahn, Bus, Schiff …
Hotel Köchlin, früher wichtiger Stützpunkt für den Verkehr ins Allgäu (Kempten u.a.)

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