Viel Publikum, viel Beifall

Mit meiner Lesung mit den komischen Texten bei der „Langen Nacht der Bücher“ am Samstag in Überlingen habe ich die Leute immer wieder zum Lachen gebracht – sie hat den Anspruch und die Erwartungen offensichtlich erfüllt.
Dabei habe ich wieder neue Erfahrungen gemacht, die für weitere Auftritte nützlich sind:

Wenn zu den 30 Stühlen, die für die Lesung vorbereitet waren, noch 20 dazugestellt werden mussten, beweist das wahrscheinlich, dass meine Ankündigung im Programm ansprechend formuliert war.
Und wenn ich mit einem kleinen Objekt auf die Bühne geholt werde – hier die beiden Ziegenglöckchen – und dazu erst mal eine Geschichte aus alten Zeiten erzähle (Sprachassistent / Montsegur / Renault 6), ist das schon ein guter Einstieg.
Ein einfacher Text am Anfang – hier der vom „anonymen“ See in Oberschwaben – ist gut, um sich „warmzulesen“, die kurze Geschichte danach (101 ruhige Orte / Lektorin / Mainau) ist ein erstes Beispiel für das Making of der Texte, das die Leute immer gerne hören.
Nach dem längeren Text über die „erste Unterwassergrenze“ – etwa eine halbe Seite auf der „Wahrheit“-Seite der Taz – darf auch ein längeres Storytelling kommen (Sylt / Untersee / Wapo-Hauptkommissar / Jungredakteurin). Bei diesem schon als Satire geplanten Text war ich damals schon überrascht, wieviele es geglaubt haben.
Komik entsteht auch, wenn an sich harmlose Wörter – in dem Fall Ortsnamen aus Bodensee-Landkarten – assoziativ kombiniert werden, und damit kann man sogar in eine Reihe literarischer Plakate kommen, hier die Bodoni-Blätter des Verlags im Waldgut. Bei „Versen“ wie „Singen – Lachen – Scherzingen“, „Lustdorf – Lustmühle – Lustenau – Bettwiesen“ und „Winterspüren – Mahlspüren im Hegau – Mahlspüren im Tal / das ist eine ganz sensible Gegend!“ haben sich die Leute gut amüsiert.
Wenn ich in meiner etwas durcheinandergeratenen Manuskriptmappe etwas suchen muss, gibt das dem Publikum die Gelegenheit, sich vor dem nächsten Text etwas zu entspannen.
Bei dem „Schwabenführer“ hatte ich mehr inhaltliche Freiheit als bei den 101 Orten, ich konnte damit auch aufzeigen, dass die schwäbische Sparsamkeit außer dem „weniger ausgeben“ auch dazu führen kann, Zeit und Geld möglichst effizient einzusetzen, vom Besichtigen von Kirchen (möglichst viele Stile in einer Kirche) über regionale ÖV-Tageskarten bis zur Reduktion von Wanderschuhen und -hosen. Überraschend und nützlich war für das Publikum auch die Information, mit welchem am Bodensee stationierten Fluggerät man das so gesparte Geld am Jahresende noch schneller ausgeben kann als mit einem Zeppelin-Flug.  
Der Text „Sex Rouge“ aus dem schon 20 Jahre alten Buch mit den Geschichten über Bergnamen, zu dem ich damals eines der schönsten Komplimente bekommen habe („wie ein Künstler, der lange seinen Stil gesucht und ihn endlich gefunden hat“), war die Überleitung zu der Information: Von dem Buch habe ich auch ein paar Exemplare in der Tasche.

(Damit der Text nicht zu lang wird, habe ich die Inhaltsangaben der Geschichten im Stil der Menüs auf Speisekarten der Trendgastronomie formuliert.)

Beim Lesen aus dem letzten Buch
Die Bilder im Hintergrund habe ich nicht ausgesucht, aber sie waren nicht unpassend …
Gemeinde Bettwiesen, im Süden des Kantons Thurgau (bei Wil SG), Oktober 2007

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