Vom Dreiländersee zur Dreisprachenspitze und weiter

Am Dreikönigstag hat mich die Zahl Drei länger beschäftigt. Es gibt ja kaum einen Lebensbereich, in dem sie keine Rolle spielt, vom Dreisatz bei Rechenaufgaben bis zu den Triptychen in der Kunst und zu den drei Prinzipien der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Wenn ich meine Arbeitsgebiete und Themen anschaue, kommt sie aber auch da überall vor, mehr als mir bisher bewusst war.
Der Bodensee ist der Dreiländersee, nur vor über hundert Jahren konnte man noch vom Fünfländerblick über eine Handvoll Länder schauen. Der Untersee hat nur zwei Länder, aber drei Seiten, auf jeder ist ein kleines Gebirge und dahinter geht das Dreierlei noch weiter – wie ich es 1999 in der Einleitung zum Naturwanderführer Untersee erklärt habe.
Über die Europäische Wasserscheide, die ganz Europa teilt und den See im Osten und Norden umgibt, habe ich schon verschiedentlich geschrieben. Ganz besondere Orte sind aber die „Wasserscheidepunkte“, von denen Wasserscheiden in drei Richtungen gehen und somit das Wasser in drei Meere oder zumindest in drei größere Flüsse fließt, etwa der Lunghinpass (Nordsee, Mittelmeer und Schwarzes Meer) im Engadin oder der weniger bekannte Brogen (Rhein, Donau und Neckar) im Schwarzwald. Ebenso wie der Europäische Wasserscheidepunkt bei der Innquelle ist auch die Dreisprachenspitze in Graubünden, allerdings schon auf der Grenze zu Italien. Dort oben, über dem Stilfserjoch, treffen sich die Gebiete des Deutschen, Italienischen und Rätoromanischen. Bei den Alpensprachen ist das Französische natürlich wichtiger, zumindest zahlenmäßig, und als Treffpunkt der deutschen, italienischen und französischen Sprachgebiete bietet sich kein geringerer als das Matterhorn (Monte Cervino / Mont Cervin) an – als „Dreisprachenspitze“ hat es nur noch kein Alpinist bezeichnet.
Bei meinem aktuellen (fast fertigen) Buchprojekt über die frühere Jesuitenkirche in Konstanz sind drei „Geschichten“ untrennbar verbunden: die Bau-/Kunstgeschichte, die Kirchengeschichte und die Stadtgeschichte. Das ist noch sehr naheliegend, aber wenn drei eigenständige Wissenschaften zusammentreffen, ist es schon die hohe Kunst der Interdisziplinarität: Ein mit unserer Familie befreundeter Franzose war Professor im Grenzgebiet von Jura, Mathematik und Philosophie – da geht es dann sehr logisch zu.
So könnte ich weitere Beispiele anführen, und oft wird erst aus einer Zwei eine Drei. Auf meiner Visitenkarte steht seit einigen Jahren der Satz „Alles hat zwei Seiten.“, um auf die Rückseite hinzuweisen. Gelegentlich sage ich dazu: „oder eher drei!“

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